Dynamische Unternehmen heute
Liegt unsere Wettbewerbsfähigkeit immer noch in den Fertigungsbereichen? Oder müssen wir in der heutigen Zeit nicht vielmehr dafür sorgen, unsere Unternehmen zu dynamischen, kundenorientierten Organisationen umzubauen? Entscheidet nicht der Kundenwunsch und seine Erfüllung alles?
An den Verkaufszahlen des Buches „Sehen lernen“ von Mike Rother und John Shook erkennen wir, dass sich noch viele Unternehmen mit der Fertigungsoptimierung beschäftigen. Liegen dort wirklich immer noch die größten Rationalisierungspotenziale?
Kundenwunsch im Zentrum
Ziel aller Aktivitäten muss es doch sein, den Kundenwunsch so schnell wie möglich, in der notwendigen Qualität, individuell und zu angemessenen Kosten zu erfüllen. In meinem im Jahr 2000 im Econ Verlag erschienenen Buch „Business on Demand“ habe ich die vier Wettbewerbsfaktoren Verfügbarkeit, Individualität, Qualität und Kosten als die Erfolgsfaktoren der Zukunft dargestellt.
Nun, 26 Jahre später, müssen wir verstehen, dass diese Wettbewerbsfaktoren tatsächlich wichtig sind und die Dynamik in Ihrem Unternehmen ein entscheidender Erfolgsfaktor ist.
Auf nur einem dieser Wettbewerbsfaktoren, nämlich der Verfügbarkeit, beruht der Erfolg von Amazon.
Die Durchlaufzeit vom Kundenwunsch bis zur Wunscherfüllung ist künftig entscheidend. Aber nicht nur in der Produktion, sondern auch in den administrativen und indirekten Bereichen!!
Das Lego-Prinzip – ob Autos, Computer oder Maschinen
Die Individualisierung unserer Produkte gelingt nur, wenn wir sie auf Basis von Plattformen entwickeln, modularisieren und an den Schnittstellen standardisieren – wenn wir also das Lego-Prinzip anwenden. Automobilkonzerne, Computerhersteller und Maschinenbauunternehmen arbeiten bereits auf dieser Basis.
Qualität ist natürlich selbstverständlich – nicht nur in der Lean-Welt, sondern immer und überall.
Die Kostenproblematik verstehen wir in der Industrie immer noch nicht wirklich.
Wenn wir das Problem der Blackbox der indirekten und administrativen Kosten nicht lösen, schlagen wir diese Kosten ohne Sinn und Verstand als Umlage auf unsere Produkte auf. Damit belasten wir Produkte mit geringem Ressourcenverbrauch und entlasten Produkte mit hohem Ressourcenverbrauch, statt die tatsächlichen Ressourcenverbräuche und die daraus entstehenden Kosten zu ermitteln.
Ihre Controller werden Ihnen sagen: „Das geht nicht.“ Doch es geht, wie ich in meiner Wiegands Warte zur Deckungsbeitragsrechnung sowie in meinem Buch „Kostenrechnung 2.0“ beschrieben habe.
Darüber hinaus müssen wir endlich viel mehr Wert darauf legen, zu erfahren, was der Kunde eigentlich will und bereit ist, dafür zu bezahlen – das heißt, welche wirtschaftlichen Effekte unsere Produkte für den Kunden erzeugen.
Kundenwunsch als Dynamisierungstreiber
Was bedeutet das für unsere Aktivitäten?
- Wir müssen nicht nur die Durchlaufzeit in unserer Fertigung auf ein Minimum reduzieren, sondern auch die Durchlaufzeiten in unseren indirekten und administrativen Bereichen. Das heißt: Wir müssen nicht nur die Produktion, sondern auch diese Bereiche konsequent optimieren. Aus meiner 25-jährigen Erfahrung als Berater weiß ich, dass dort die größten Reserven in unseren Unternehmen liegen.
- Wir müssen unsere Produkte anders als bisher herstellen. Wenn wir sie modularisieren und an den Schnittstellen standardisieren, können wir die kundenspezifische Individualisierung am Ende unseres Herstellungsprozesses vornehmen. Nur so werden wir es schaffen, individuelle Produkte wirtschaftlich herzustellen, ohne in der Komplexität zu ersticken und endgültig unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.
- Wir müssen uns also konsequent auf die vier Wettbewerbsfaktoren des Business on Demand ausrichten und dürfen unsere Wirtschaftlichkeit nicht nur in der Fertigung suchen.
- Und wir müssen unsere Unternehmen auf die Dynamik der Märkte ausrichten. Früher gab es vier Marktzyklen: Winter, Frühjahr, Sommer und Herbst. Heute wird in monatlichen Zyklen neu designt. Früher wurden Rüstungsgüter über Jahre produziert. Die Innovationszyklen bei Drohnen in der Ukraine betragen heute acht bis elf Wochen. Die Dynamik der Märkte steigt. Deshalb müssen wir unsere Unternehmen auf diese Dynamik ausrichten und nicht nur die Fertigung, sondern auch die indirekten und administrativen Bereiche konsequent optimieren. Nur so werden wir überleben.
Bleiben Sie uns gewogen, bleiben Sie lean!
Ihr Bodo Wiegand


